Revikon den Saft abdrehen!
65 MW Anschlussleistung, 30 Meter hohe Hallen, die Abwärme von 30.000 Wasserkochern – und das Alles für ein Projekt, dessen Betreiber im September 2026 noch nicht feststeht.
Der Bebauungsplan ist beschlossen, noch ist es aber nicht zu spät. Der Bau darf nie beginnen!
Wir wollen:
Kein Neubau eines Rechenzentrums im Katzenfeld. Keine 30m hohen Hallen mit Super-Stromfresser-Technik, immenser Abwärme und hohen Betonwänden auf wertvolles Ackerland!
Überhaupt kein neues Baugebiet ausweisen (auch nicht für Wohnbebauung). Wertvolle Ackerflächen und unbebaute Gebiete erhalten. Stattdessen: Vorhandenes sinnvoll nutzen. Leerstand wieder in Nutzung bringen, vorhandene Siedlungs- und Gewerbeflächen nutzen, statt neue Flächen zu versiegeln!
Eine Milliarde Euro besser in Soziales und Klimaschutz investieren statt in ressourcenfressende Projekte, die nur wenigen nützen. Von der veranschlagten Milliarde Euro Baukosten ließen sich viele sinnvolle Projekte realisieren
maximale Anschlussleistung
Die Begründung zum Bebauungsplan bereitet ein Hyperzentrum mit rund 65 MW Gesamt-Leistungsaufnahme vor. Davon werden etwa 20 MW für Rechnerleistung, 20 MW für Kühlung und der Rest als Reserve genannt.
Gebäudehöhe
Geplant sind fünf große Baukörper sowie ein Verwaltungsgebäude. Die Gebäude sollen etwa 27,5 bis 30 Meter hoch werden, zuzüglich technischer Dachaufbauten.
gesamtes Plangebiet
Der aktuelle Plan umfasst Gewerbe-, Sonderbau-, Verkehrs-, Grün- und Versorgungsflächen. Rund sechs Hektar sind als Sondergebiet für das Rechenzentrum vorgesehen.
Warum wir Nachverhandlung verlangen
Ein Rechenzentrum kann digitale Infrastruktur bereitstellen und Abwärme nutzbar machen. Das rechtfertigt aber nicht, offene Fragen erst nach der politischen Grundsatzentscheidung zu beantworten.
Die zentralen Nachteile und Risiken
Nicht jede Sorge ist bereits ein eingetretener Schaden. Deshalb unterscheiden wir zwischen dokumentierten Auswirkungen der Planung und Punkten, die vor einer Umsetzung verbindlich geklärt werden müssen.
1. Energiebedarf
65 MW Anschlussleistung ist für eine einzelne Anlage außergewöhnlich groß. Die veröffentlichte Jahresverbrauchsprognose von 488.000 MWh liegt über dem zuletzt genannten gesamten Stromverbrauch Gießens. Das verlangt eine transparente Darstellung von Netzausbau, Kosten, Versorgungssicherheit und langfristiger Bindung.
2. Abwärme ist kein Selbstläufer
Die Abwärme soll über Wärmepumpen für das Fernwärmenetz nutzbar werden. Das ist eine Chance, aber technisch und wirtschaftlich abhängig von Temperaturniveaus, Leitungen, Wärmepumpen, Abnahme und saisonalem Wärmebedarf. Wir fordern verbindliche Verträge statt bloßer Absichtserklärungen.
3. Boden und Versiegelung
Der Umweltbericht beschreibt erhebliche Beeinträchtigungen von Bodenfunktionen durch Abtrag, Versiegelung und Verdichtung. Landwirtschaftliche Produktionsfunktionen gehen verloren; die Filter- und Pufferfunktion des Bodens wird lokal geschwächt.
4. Stadtklima
Die Umweltmodellierung weist Veränderungen der physiologisch äquivalenten Temperatur (PET) aus. Bereiche mit Veränderungen von mehr als 1 °C liegen überwiegend innerhalb von etwa 200 Metern. Zusätzliche Wärmeabgabe der Klimatisierung wurde in dieser Modellierung nicht berücksichtigt.
5. Wasser und Kühlung
Bei einem Großrechenzentrum ist die Kühlung ein wesentlicher Teil des Energie- und Ressourcenbedarfs. Die kommunale Diskussion benennt den Wasserverbrauch als offene Frage. Wir fordern eine verbindliche Obergrenze, einen möglichst geschlossenen Kühlkreislauf und vollständige Veröffentlichung der Verbrauchsdaten.
6. Größe und Landschaftsbild
Fünf Baukörper mit 52 × 80 Metern sowie ein Verwaltungsbau bilden eine völlig neue Großstruktur. Höhen bis 30 Meter plus technische Aufbauten verändern Landschaftsbild und städtebauliche Wahrnehmung deutlich.
7. Hochwasser und Bodenauftrag
Für den Hochwasserschutz soll das Gelände nach den veröffentlichten Angaben angehoben werden. Damit entstehen zusätzliche Fragen zu Retentionsraum, Regenwasser, Nachbarflächen und der dauerhaften Verantwortlichkeit für Schutzmaßnahmen.
8. Altlasten und Folgekosten
In der politischen Debatte wurden Altlastenfragen auf dem Gelände des früheren Betonteilewerks und die Haftung für mögliche Sanierungs- und Folgekosten angesprochen. Diese Risiken müssen vor Baubeginn eindeutig dem Verursacher bzw. Eigentümer zugeordnet werden.
9. Unklarer Betreiber
Im September 2026 suchen Revikon und Stadt noch einen Investor bzw. Betreiber. Wenn die konkrete Betriebsform noch offen ist, muss die Stadt sicherstellen, dass die späteren Zusagen auch gegenüber dem tatsächlich ausgewählten Betreiber verbindlich gelten.
Unsere Forderungen
1. Verbindlicher Betreibervertrag
Offenlegung des Betreibers, der wirtschaftlich Verantwortlichen und sämtlicher für die Stadt relevanter Verpflichtungen – einschließlich Rechtsnachfolgerregelungen.
2. Strom transparent machen
Offene Bilanz zu Anschlussleistung, Jahresverbrauch, Netzausbau, Kosten, Reserven und Verantwortlichkeiten. Keine Verlagerung privater Infrastrukturkosten auf die Allgemeinheit.
3. Abwärme garantieren
Mindestmengen, Temperaturniveaus, Leitungsbau, Abnahme, Messung, Kosten und Sanktionen müssen vertraglich feststehen.
4. Wasser begrenzen
Verbindliche maximale Wasserentnahme und Verbrauchswerte, möglichst geschlossene Kühlung, öffentliches Monitoring und Abschalt-/Nachbesserungsregeln bei Überschreitung.
5. Klima und Boden schützen
Unabhängige Kontrolle der Klimawirkung, Regenwasserbewirtschaftung, Bodenschutz, Ausgleich und Monitoring über die gesamte Betriebsdauer.
6. Öffentlichen Nutzen beziffern
Verlässliche Angaben zu Gewerbesteuer, Arbeitsplätzen, lokaler Rechnerleistung, kommunalen Kosten und langfristigem Nutzen – nicht nur Prognosen.
Wir sind nicht gegen Digitalisierung.
Wir sind gegen einen Blankoscheck. Wenn Gießen Energie, Wasser, Fläche, Infrastruktur und politische Planungskapazität in ein privates Großprojekt steckt, muss der öffentliche Nutzen nachweisbar sein – und die Risiken müssen dort liegen, wo die Gewinne entstehen.
Was die Befürworter sagen – und unsere Antwort
| Argument | Was tatsächlich vorliegt | Unsere Forderung |
|---|---|---|
| „Abwärme ersetzt Gas.“ | Die Stadt plant die Nutzung der Abwärme über Wärmepumpen und Fernwärme. | Abnahme, Menge, Temperatur, Leitungen und Kosten verbindlich festschreiben und messen. |
| „Der Standort hat ein Umspannwerk.“ | Das Umspannwerk ist ein wesentlicher Standortvorteil. | Netzfolgen und Infrastrukturkosten vollständig offenlegen. |
| „Es entstehen Arbeitsplätze.“ | In der politischen Diskussion wurden insgesamt rund 900 neue Arbeitsplätze für das Gebiet genannt; davon etwa 200 im Rechenzentrum. Diese Zahlen sind, verglichen mit anderen Rechenzentren ähnlicher Dimension zu hoch angesetzt. Microsoft dazu: Microsoft-Rechenzentren stellen eine kapitalintensive Investition und ein langfristiges Engagement in der Gemeinschaft dar. Wenn das erste Gebäude in Betrieb genommen wird, stellen wir in der Regel etwa 50 Vollzeitmitarbeiter und Zulieferer ein. Wenn wir die nachfolgenden Gebäude ausbauen, werden zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, und im Allgemeinen beschäftigen wir 50 Vollzeitmitarbeiter und Lieferanten pro Gebäude. | Arbeitsplatzprognosen, Qualität und Dauer transparent machen. |
| „Es gibt Ökostrom.“ | Seit dem 01.01.2027 besteht für Rechenzentren eine gesetzliche Pflicht (§ 11 Abs. 5 EnEfG)., Strom zu 100% aus erneuerbaren Energien (bilanziell!) zu betreiben. Dafür werden z.B. in Norwegen Flüsse aufgestaut und Ökostrom-Zertifikate verkauft. | Stromverbrauch reduzieren. Die Ressourcen auf dem Planeten sind endlich. Ökostrom-Zertifikate kaufen ist nicht Umwelt- oder Klimaschutz, sondern Problemverlagerung. |
| „Alles wird gesetzlich geregelt.“ | Genehmigungs- und Immissionsschutzrecht setzen Mindeststandards. | Für ein Projekt dieser Größe zusätzliche messbare kommunale Vertragsstandards vereinbaren. |
Quellen & Belege
Die Website verwendet vor allem kommunale Planungsunterlagen und aktuelle Berichterstattung. Bewertungen und politische Forderungen sind als solche gekennzeichnet.
- Stadt Gießen: Bebauungsplan Nr. GI 05/23 „Katzenfeld“ – aktuelle Planunterlagen, Umweltbericht und Artenschutzfachbeitrag.
- Stadt Gießen: „Im Katzenfeld“ – Projektbeschreibung und städtebauliche Einordnung.
- Stadt Gießen / Stadtplanungsamt: Begründung zum Bebauungsplan GI 05/23 – insbesondere Größenordnung, 65 MW, Baukörper und Höhen.
- Stadt Gießen: Umweltbericht „Im Katzenfeld“, Stand 01.06.2026 – Boden, Klima und weitere Umweltbelange.
- Gießener Allgemeine, 13.08.2026 – Stromverbrauch, Arbeitsplätze, Betreiberstatus und Projektstand.
- Gießener Anzeiger, 13.08.2026 – Größenordnung des Stromverbrauchs.
- Gießener Anzeiger, 04.09.2026 – Stand nach dem Satzungsbeschluss und Betreiberwahl.
- tagesschau / hessenschau, 27.08.2026 – Beschluss der Stadtverordnetenversammlung.
Redaktioneller Hinweis: „Gefahr“ bedeutet auf dieser Seite nicht automatisch einen bereits eingetretenen Schaden. Wo Unterlagen lediglich eine mögliche oder modellierte Wirkung beschreiben, wird dies entsprechend dargestellt. Zahlen können sich im weiteren Genehmigungs- und Betreiberprozess ändern.
Baustopp. Nachverhandeln. Transparenz schaffen.
Das Katzenfeld ist kein Blankoscheck. Gießen braucht klare Regeln, bevor ein privates Großprojekt dauerhaft öffentliche Ressourcen bindet.